Bandscheibenvorfall – Bandscheiben, sie dienen als Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern und bieten der Wirbelsäule Elastizität. durch ihre hohe Elastizität können die Bandscheiben einem enormen Druck standhalten, heben wir z.B. eine volle Sprudelkiste an wirkt ein Druck von etwa 23 bar auf sie ein, dass entspricht in etwa 300 Kilogramm.

Im Laufe der Jahre kommt es so zu einem natürlichen Verschleiß der Wirbelsäule. Bandscheiben können an Flüssigkeit und Nährstoffen verlieren und werden somit unelastisch, rissig und spröde.

Die gute Nachricht: Meist sind die Bandscheiben nicht schuld!

Laut einer großen Bertelsmann Studie im Jahr 2017 sind nur ca. 2 bis 3 Prozent der Rückenschmerzen auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen. Das verblüffende an der Sache ist, Bandscheibenvorfall bedeutet nicht gleichen Schmerzen! Viele Rückenpatienten haben kleine Vorwölbungen der Bandscheiben oder leichte Verschleißerscheinungen der Wirbelgelenke, die jedoch starke Schmerzen verursachen. Andersrum gibt es Patienten mit minimalen Schmerzen, bei denen nach einem Zufallsbefund ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert ist.

Was geschieht beim einem Bandscheibenvorfall?

Jede Bandscheibe besteht aus einem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus) und einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus). Meist führen degenerative Vorgänge zunächst zu einer Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion). Hierbei wölbt sich die Bandscheibe vor, der äußere Faserring bleibt intakt. Bei einem echten Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps oder auch Diskusprolaps genannt) reißt der äußere Faserring ein und der Gallertkern quillt hinter das hintere Längsband.

Falls das hintere Längsband reißt kommt es zu einem sequestriertem Vorfall: Bandscheibengewebe tritt durch das Längsband in den Spinalkanal über. Entsprechend der Lokalisation unterscheidet man in medial, mediolateral oder laterale Vorfälle. Meist treten Bandscheibenvorfälle in der LWS (Lendenwirbelsäule) und HWS (Halswirbelsäule) auf, die BWS(Brustwirbelsäule) ist seltener betroffen.

Wichtig: Bein länger anhaltenden oder akut intensiven Beschwerden sollte dringend ein Arzt zur weiteren Diagnostik und Abklärung aufgesucht werden, insbesondere beim Verdacht eines Bandscheibenvorfalls ist eine ärztlich Untersuchung/Diagnose unausweichlich.

Wie sind die Symptome bei einem Bandscheibenvorfall?

Durch die Kompression des Spinalnervs bzw. dem Rückenmark (Cauda equina) kommt es (eventuell durch eine Drehbewegung unter Last) zu einem einschießenden Schmerzen (Lumboischialgie).
Neurologische Ausfälle entsprechend des Spinalnervs:

  • Sensibilitätsstörungen: Kribbelparästhesien, Hyperästhesien, Hypoästhesien oder Anästhesien (Gefühlsausfall)
  • Motorische Störungen: z.B. Paresen (Teillähmungen), Plegie (komplette Lähmung)
  • Reflexstörungen: z.B. Reflexabschwächung oder Reflexausfall
Bei Blasen-, Mastdarmstörungen, Erektionsstörungen – Kauda-Syndrom (Notfall!)

Wie wird der Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Die ärztliche Diagnostik erfolgt nach der Anamnese meist durch ein CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) mit genauer Bestimmung der Höhenlokalisation des Bandscheibenvorfalls.

Was tun bei einem Bandscheibenvorfall?

Therapie akut: Medikamentös, Schonung, Stufenlagerung, sanftes Bewegen, Wärme, Physiotherapie, Osteopathie.

Wichtig nach einem Bandscheibenvorfall ist die Regeneration des Körpers wieder vollständig herzustellen, damit es nicht erneut zum Vorfall kommt. Des weiteren stellt die Prophylaxe den Therapieschwerpunkt schlechthin dar. Dazu gehört das Vermeiden von einseitiger Belastung. Ausreichend Bewegungen, viel Trinken und eine ausgewogene Ernährung stellen die Grundpfeiler für einen gesunden Körper dar.

Diese 5 Punkte können deine Rückengesundheit enorm fördern!

1. Sanftes Bewegen 

Bewegung ist das Wichtigste überhaupt. Mache nicht den Fehler und denke, dass du dich bei Rückenschmerzen nicht bewegen darfst. Im Gegenteil: um die Durchblutung und die Mobilität zu fördern, ist Bewegung unumgänglich. Natürlich solltest du eine schonende Bewegungsform auswählen und nach Möglichkeit erstmal kein intensiven Kraftsport betreiben.

2. Faszientraining:

Faszien und Rückenschmerzen

Durch Bewegungsmangel oder falsche, andauernden Belastungen, sowie durch mentalen Stress verspannen sie sich nicht nur, sondern sie verkleben und verdrehen sich mit der Zeit. In dieser Verfassung büßen sie unheimlich viele ihrer Funktionen ein und – ganz wichtig – verkürzen den gesamten Bewegungsapparat.

Beispiel: typischer Tag im Büro: Meist verharre  die meisten von uns viele Stunden fast bewegunslos am Bürotisch, die Beine und die Arme sind nahezu immer in der gleichen Position und bedienen lediglich die Maus oder mal die Kaffeetasse. Stress, Zeitdruck, Termindruck gehören zum Tagesgeschäft. Die Folge: Druck von oben kombiniert mit einer einseitigen Belastung, führt dazu, dass der Rücken verkrampft. 

Die großen Muskel- und Faszienschichten verhärten sich zunehmend und rauben dem Körper seine Beweglichkeit. Undynamische und ungesunde Faszien verlieren nach und nach immer mehr von dem wichtigen Elastin und bestehen zunehmend nur noch aus dem harten Kollagen. Somit können die Faszien zunehmen ihren Aufgaben wie z.B. der körpereigenen Entgiftung, Versorgung mit Zellaufbaustoffen…nicht mehr nach kommen. Die Folge: Es durch die verkrämpfen Muskelsichten und dem unelastischen Fasziengeweben kann ein Zug oder eine Kompression an wichtigen Orgen, Nerven und Gewebssturkuteun entstehten welchen zu massicven Rückenschmerzen führen können.

Die Lösung: Faszientraining/ Faszienyoga –  denn Faszien leben von Bewegung!

In diesem Beitrag findest du weitere Informationen zum Thema Faszienyoga . Eine Anleitung zum Training deiner Faszien insbesondere bei Rückenschmerzen findest du im Buch mit Übungsprogramm von Osteopath Stefan Rieth: Faszientraining für Rücken und Nacken.

3. Ernährung/ Nahrungsergänzungsmittel & viel Trinken!

Auch die Ernährung dürfen wir nicht außer Acht lassen. Die Wirbel, die Bandscheiben, sowie Bänder, Sehnen und Muskeln können nur so intakt sein, wie sie mit  ausreichend Vitaminen versorgt werden. Insbesondere eine basische Ernährung mit viel Grünzeug, Gemüse, Obst, Cholesterin und gesunden Fetten hemmt Entzündungen (wodurch du beweglicher wirst), während Vitamin D3 und K2 essentiell für die Knochenstärke und Flexibilität sind. Vitamin B12 indes ist wichtig, für die Gesundheit und für das Zusammenspiel der Nerven.

4. Physiotherapie/ Osteopathie

Wenn keine Selbstmaßnahme hilft, musst du auf externe Hilfe zurückgreifen. Der Physiotherapeut oder Osteopath verschafft sich ein genaues Bild vom Schmerzzusammenhang und geht der Ursache auf den Grund. Anschließend bespricht er mit dir das weitere Vorgehen. Durch gezielte sanfte manuelle Griffe und Übungen kann er eine gewisse Abhilfe leisten.

5. Wärme und Entspannung

Wärme wirkt entkrampfend und blutflussanregend. Du kannst eine warme Dusche nehmen, oder ein Wärmeplaster benutzen oder aber die entsprechende Stelle mit Rotlicht bestrahlen lassen. Meistens schon die halbe Miete, wenn du dein Stresslevel senkst. Nimm dir eine Auszeit, meditiere, streiche etwas von deiner To-Do-Liste oder schlafe ein wenig mehr.

Bandscheibenvorfall: Fazit

Ob es eine Bandscheibenvorwölbung oder ein echter Bandscheibenvorfall ist, meistens liegt eine Ursache zugrunde, die mit zu einseitige Belastungen, zu wenig Bewegung, Fehlstellungen in Zusammenhang steht. Nach der ärztlichen Diagnose können erste Schritte zur Schmerzlinderung eingeleitet werden. Nach der akut Phase steht die optimale Wiederherstellung und Genesung des Rückens im Vordergrund, damit es nicht zu chronischen Rückenschmerzen oder einem erneuten  Bandscheibenvorfall kommt. Hierzu können Maßnahmen wie ausreichend Bewegung eine gesunde ausgewogenen Ernährung, Faszientraining/Yoga und eine gezielte Behandlung durch einen Physiotherapeut oder Osteopathen einen wichtigen Baustein liefern.